Text: von Dr. Dr. Ralph Christensen

Bilder

Warum malt man heute noch Tafelbilder?

Bilder sind heute nichts Besonderes mehr. Die ganze Flut technischer Bilder in Foto, Film, Fernsehen und Computer reißen dem Betrachter nicht mehr die Augen auf. Sie führen zum Reflex der Schließung. Man findet immer dieselben Muster, so dass man heute schon von einer Bildsprache als Gemeinsprache sprechen kann. Diese Sprache wird in der Kunst entwickelt und in der Werbung verwertet. Praktisch wird sie im Kauf eines Gegenstands. Denn ihre Funktion liegt darin, Gegenstände in eine Hierarchie von Bedeutungen zu bringen. Diesen Gegenstand zu besitzen bedeutet Stil oder Intellektualität. Man wird, wenn man ihn benutzt, zum Abenteurer oder Latin-Lover.

Warum sollte man der Flut der Bilder also noch weitere hinzufügen? Dazu auch noch Tafelbilder, die einen ungeheuren Aufwand für die Herstellung mit sich bringen. Man braucht Leinwände, die man spannen, Farben, die man nicht nur auftragen, sondern vorher auch noch anrühren muss. Mit einer Digitalkamera ginge alles viel einfacher.

Man muss malen, weil die Besetzung der Gegenstände und Körper mit Bedeutung Unrecht ist. Die Extension der Sprache wird durch die technischen Bilder immer weiter ausgedehnt. Aber das Entscheidende fehlt. So wie das Unrecht, das Tieren geschieht, in einer Rechtsordnung, die sie als Sache begreift, niemals zureichend artikuliert werden kann, kann das Gefühl in der Hierarchie von Bedeutungen niemals endgültig unterkommen. Deswegen braucht man Bilder, welche die Dinge und Körper der Hierarchie der Bedeutungen entziehen.

Hier sind es Körperbilder. Diese sind pornographisch, um der Graphie zu entkom­men. Es handelt sich dabei nicht um Körper, die der vorgegebenen Ordnung des Begehrens unterworfen sind, mit klar definierten Zonen der Besetzung. Wir sehen vielmehr den organlosen Körper. Seine Oberfläche wird nicht dominiert von der Struktur einer Sprache, die der Intensität des Erlebens einen klar definierten und umgrenzten Platz zuweist. Diese Oberfläche ist ein Kampfplatz wechselnder Be­setzungen und es bleiben Narben zurück, wie vergessene Schützengräben. Hier wurde eine Körpermaschine, die heftig brennt, an eine Leinwand angeschlossen und dabei zeigt sich, dass das intensive Moment seiner Einkerkerung in der Extension vorgegebener Bedeutungen immer wieder entkommen kann. Durch Brand nach außen in Rot und Gelb. Durch Zurückfließen nach innen in Blau und Grün. Oder dadurch, dass der weiße ausgebrannte und narbige Körper zurückbleibt mit der schwarzen Spur des Todes. Gehen wir das Risiko ein zu leben, bevor wir sterben.